Wir haben bereits Allegrini kennengelernt, ein Weingut der Valpolicella mit einer jahrhundertelangen Geschichte in der Weinproduktion, das in jüngerer Zeit sein önologisches Angebot um die Produkte zweier Güter in der Toskana erweitert hat. Bei jener Gelegenheit haben wir über eine außergewöhnliche sortenreine Corvina gesprochen, La Poja, aus Trauben, die keinerlei Appassimento unterzogen werden. Nun möchte ich von der Verkostung des Amarone Corte Giara berichten, einem Wein der klassischsten Tradition der Valpolicella, wo sich der Weinberg des Weinguts über rund 100 Hektar erstreckt. Hier beginnt der Weg des Amarone, einem der großen Botschafter des Vino made in Italy in der Welt.
Die Valpolicella, eines der renommiertesten Gebiete der italienischen Weinlandschaft, war bereits seit der Antike dem Weinbau gewidmet. Die Etymologie ihres Namens selbst: "val polis cellae" bedeutet nämlich "das Tal der vielen Keller". Die Zone ist besonders für die Produktion hochwertiger Weine geeignet, was auch ihrer herausragenden Hügellage zu verdanken ist. Das Gebiet ist überwiegend kalkhaltig und geologisch gesehen auf die Jura- und Kreidezeit zurückzuführen. Das Klima ist generell mild und gemäßigt.
Allegrini ist einer der bedeutendsten Interpreten des Amarone, heute ein prestigeträchtiges Symbol des gesamten Territoriums. Sein Vorläufer, der Recioto, seit der Zeit der Römer als Retico bekannt, war lange der Stolz der Winzer der Region. In der Vergangenheit war er in der Valpolicella der einzige aus getrockneten Trauben erzeugte Wein und gehört noch heute zu den wenigen süßen Rotweinen der önologischen Landschaft. In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts entstand durch Experimente und mit Hilfe des Zufalls der Amarone, der im Gegensatz zum Recioto die alkoholische Gärung der getrockneten Trauben vollständig abschließt, indem er die Zucker nahezu vollständig in Alkohol umwandelt.
Sprechen wir nun über unseren Amarone. Der Weinberg befindet sich in einer Hügellage auf einer Höhe zwischen 180 und 250 m ü. NN. mit einer günstigen Südost-Ausrichtung. Der Boden ist sehr abwechslungsreich, überwiegend tonig-kalkhaltig und skeletreich. Der Weinberg wird in Pergola-Erziehung kultiviert, das Durchschnittsalter der Reben beträgt etwa 30–35 Jahre, die Pflanzendichte liegt bei 3.000 Stöcken pro Hektar.
Die Lese erfolgt von Hand und beginnt in der zweiten Septemberhälfte, wobei die geernteten Trauben in Kisten gelegt werden. Das Appassimento der Corvina Veronese-Trauben (zu 70%), der edelsten Rebsorte des Gebiets, und der Rondinella, einer deutlich rustikaleren Sorte, findet in gut belüfteten Trockenräumen statt. Die Trocknungszeit der Trauben dauert 100 bis 120 Tage, während derer die Trauben 40 bis 50 % ihres ursprünglichen Gewichts verlieren und komplexe chemische Umwandlungen durchlaufen.
Die Vinifikation erfolgt in der ersten Januarhälfte mit einem sanften Pressen der entrappten Trauben, einer kontrollierten Gärung im Edelstahltank bei 8–22 °C über 22–24 Tage sowie täglichen periodischen Umpumpvorgängen. Nach dem Abstechen ruht der Wein 5 Monate in Stahl, um anschließend 14 Monate im Holz zu reifen – die Hälfte in Fässern aus slavonischer Eiche, die andere Hälfte in Barrique zweiter Belegung. Der Wein reift weitere 6 Monate in der Flasche, bevor er in den Handel kommt.
Kommen wir nun zur Verkostung.
Amarone della Valpolicella Corte Giara 2010
Von leuchtend rubinroter, ins Granatfarbene tendierender Farbe von ausgezeichneter Intensität, zeigt er am Glas dicke Schlieren, die die große Struktur unterstreichen. Die Nase ist majestätisch, mit überreifem, aber noch knackigem roten Fruchtaromen – vor allem Pflaume und Heidelbeere; danach folgen deutliche Noten von süßen Gewürzen, aber auch Pfeffer und Nelken, tiefe Aromen von Tabak und Lakritze – allesamt tertiäre Noten, die auch dem langen Flaschenausbau zu verdanken sind. Der Abgang ist voll, umhüllend und samtig auf einer langen mineralischen Schleppe. Im Mund imposant, bewahrt er ein elegantes und seidiges Profil, wobei die über 15 Volumenprozent Alkohol durch eine lebhafte Säure gut ausbalanciert werden. Süße Tannine, perfekt in die Gesamtmasse integriert.
Dies ist der Wein der großen Anlässe, zu begleiten von kräftigen Schmorbraten, Wild wie dem Hasen und lang gereiften Käsesorten. Wirklich bewegend.





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