Wir haben das Weingut Ferraris, das im Gebiet von Castagnole Monferrato tätig ist, bereits kennengelernt. Das war bei der Beschreibung der Opera Prima, einem Wein aus Ruchè-Trauben, einer ursprünglichen und immer weiter verbreiteten Rebsorte der Hügellandschaft nordöstlich von Asti.
Dass das Weingut beschlossen hat, diese Rebsorte aufzuwerten, zeigt auch der Wein, über den wir heute sprechen werden: der Ruchè Clàsic 2014, eine weitere önologische Perle von unbestreitbarem Genuss.
Der Ruchè weist ausgeprägte morphologische und analytische Eigenschaften auf, die ihn im ampelografischen Panorama einzigartig machen. Als halbduftende Sorte reift er recht früh, in der Regel in der ersten Septemberdekade. Er ist ein guter Zuckerakkumulator und behält trotz seiner geringen Gesamtsäure eine bedeutende Komponente an Äpfelsäure, die dem Wein eine gute abschließende Frische verleiht. Das Hauptmerkmal der Trauben ist der Reichtum an Polyphenolen, die überwiegend durch Tannine repräsentiert werden, die dem Wein Struktur und eine angemessene Neigung zur Reifung verleihen.
Je nach Jahrgang ermöglicht das Mazerationsmanagement eine selektive Tanninextraktion, um den Wein vollkommen ausgewogen und damit unmittelbar genussvoll zu machen.
Der Ruchè Clàsic 2014 ist in Bezug auf das soeben Beschriebene ein vorbildlicher Wein. Er wird aus den Trauben der betriebseigenen Weinberge an der südwestlichen Hangseite gewonnen, jenen mit der besten Ausrichtung. Im Weinberg werden die Traubenmengen durch eine intensive Ausdünnungsarbeit deutlich reduziert. Diese Maßnahme ermöglicht es, den Traubenertrag pro Hektar auf unter 70 Doppelzentner zu senken. Die Qualität der Trauben, die in den Keller gelangen, ist daher optimal.
Die alkoholische Gärung erfolgt zur Hälfte in horizontalen Rotationsmazeratoren über etwa zehn Tage und zur Hälfte in 54-Hektoliter-Eichenbehältern über durchschnittlich 15 Tage. Die Temperaturkontrolle bei 22–23 °C verlangsamt die Gärung und verlängert den Kontakt des Mosts mit den Schalen, um eine stärkere Polyphenolabgabe (Tannine und Anthocyane) zu erzielen. Nach Abschluss der Gärung ruht der Wein mindestens 6 Monate in französischen Eichenbehältern, wodurch er die richtige Sauerstoffzufuhr erhält und eine korrekte Reifung vor der Abfüllung gewährleistet wird.
Kommen wir zum Wein. Die Farbe ist ein kräftiges Rubinrot, makellos. Ein körperreicher Wein; in der Nase nehmen wir fruchtige Aromen von Kirsche und Heidelbeere wahr, ausgeprägte Blumennoten von Veilchen sowie Zimtgewürz mit einem leicht angedeuteten Vanilleton. Der Holzeintrag wirkt keineswegs übertrieben. Der Gaumen bestätigt das wunderbare Gleichgewicht, wobei die frisch-tannische Komponente gut durch die Weichheit und den Alkohol ausbalanciert ist. Lang anhaltend ist die Spur von Myrte und Lakritze, die wir im Abgang nach dem Schlucken wahrnehmen.
Ich habe den Ruchè Clàsic zu einem gemischten roten Fleischgericht mit Ofenkartoffeln verkostet. Und dabei über die Schönheit seiner Machart und die allgemeine Annehmlichkeit des sensorischen Erlebnisses nachgedacht.





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