Der Lagrein ist die autochthone rote Rebsorte Südtirols, die Sorte, mit der sich der Talkessel von Bozen einen Namen gemacht hat. Er ergibt Weine von dichter, fast schwarzer Farbe mit Duft nach Veilchen und dunklen Früchten, und einen traditionellen Rosé, den Kretzer. Angebaut wird er in ganz Trentino-Südtirol, aber seine Heimat ist Gries, das alte Weindorf, das heute ein Stadtteil von Bozen ist.
Herkunft und Familie
Der Lagrein wird seit Jahrhunderten in Südtirol angebaut und war lange eher eine Traube für den Alltag als für das Prestige. Der Name lässt an die Vallagarina denken, das Etschtal südlich von Trient, aus dem die Sorte gekommen sein könnte: eine These, keine Gewissheit. Zur Familie hat die Genetik dagegen eine klare Antwort gegeben. Nach einer 2006 veröffentlichten Studie ist der Lagrein ein Kind des Teroldego, des Rotweins des Campo Rotaliano, und damit ein Halbgeschwister des Marzemino, der denselben Elternteil hat. Über den Teroldego ist er auch ein entfernter Verwandter des Syrah.
Gries und der Bozner Talkessel
Der Lagrein reift spät und braucht Wärme. Die findet er im Bozner Talkessel, der von Bergen geschützt ist und im Sommer zu den heißesten Gegenden Italiens gehört. In Gries wachsen die Reben auf lockeren Schwemmböden aus Sand und Kies, die die Talfer herangetragen hat: tiefe, warme Böden für einen kräftigen Roten. Hier bauen die Benediktiner des Klosters Muri-Gries, die 1845 aus der Schweiz kamen, seit fast zwei Jahrhunderten Lagrein an, und der Grieser Lagrein ist bis heute der gesuchteste. Außerhalb Bozens findet man die Sorte im Unterland, rund um Kaltern und Tramin, und im Trentino, im Talboden der Etsch.
Dunkel und Kretzer
Aus dem Lagrein entstehen zwei Weine. Der rote Lagrein, auf Deutsch Dunkel genannt, hat ein intensives, ins Violette gehendes Rubinrot und Aromen von Veilchen, Brombeere, Sauerkirsche und Pflaume, zu denen die Reifung Kakao, Kaffee und Lakritz fügt. Am Gaumen ist er voll und weich, mit dichten Tanninen und einer Säure, die ihn frisch hält; die Riserve reifen im Holz und altern gut. Der Kretzer ist der Rosé: Er entsteht durch eine kurze Maischestandzeit, hat eine kirschrote Farbe und duftet nach Kirsche und Rose. Früher war er sehr verbreitet; heute ist der Rote die bekannteste Version.
Herkunftsbezeichnungen und Kellereien
Der Lagrein wird vor allem als Südtirol DOC abgefüllt, auch mit der Angabe Gries, und als Trentino DOC; er gehört auch zum Casteller und zum Valdadige. Er spielt außerdem eine Nebenrolle: Im Kalterersee und im St. Magdalener kann er den Vernatsch ergänzen und ihm Farbe und Struktur geben. Unter den Kellereien unseres Verzeichnisses ist die Kellerei Bozen, entstanden aus dem Zusammenschluss der Kellereien Gries und St. Magdalena, die Hüterin des Grieser Lagrein. Außerhalb Italiens gibt es kleine Flächen in Australien und Kalifornien.
Bei Tisch
Der rote Lagrein ist der Wein der kräftigsten Tiroler Küche: Gulasch, Reh und Hirsch mit Preiselbeeren, Haxe, Schweinebraten mit Kraut, gereifter Bergkäse. Der Kretzer, kühl serviert, passt zu Speck, Schlutzkrapfen, Knödeln und hellem Fleisch.